TEXTE ZUR AUSSTELLUNG ›MOODS‹


›Imagine there's no heaven. It's easy if you try. No hell below us. Above us only sky.‹ John Lennon

Wie ich seit der gemeinsamen Zeit im Internat weiß, ist für Alfred Heindl ›Imagine‹ einer der wichtigsten Popsongs, die je geschrieben wurden; und er wählte ihn zum Ausgangspunkt für seinen fünfteiligen Bilderzyklus. Ins Zentrum rückt er dabei das scheinbar Sichtbare, das Firmament.

Trennt Lennon klar zwischen ›Sky‹ und ›Heaven‹, so folgt ihm Alfred Heindl für mich in dieser Unterscheidung. Fernab eines religiösen Kontextes entstehen Bilder, die vielleicht doch auf eine feinsinnige, spirituelle Prägung oder Lebenshaltung schließen lassen. Und wie Lennon schickt er die Phantasie und/oder die Emotion auf Reise. Die Ambivalenz zwischen Krieg und Frieden, zwischen Leben und Tod, Hoffnung und Verzweiflung wird sowohl im Song als auch in Alfred Heindls Bilderzyklus sichtbar. ›Wir leben in einem ständigen Dualismus – Leben und Tod, Krieg und Frieden, Hoffnung und Verzweiflung, usw. Es war mir wichtig dies mit starken, symbolträchtigen, changierenden Farbflächen zu kontrastieren‹ – erzählt mir Alfred. Spannend finde ich dabei, dass er von Dualismus spricht – aber nirgends ein ›Schwarz-Weiß‹ zu finden ist. Gleichzeitig irgendwie klar, denn das Firmament leuchtet – gleich ob es das Geschehen auf unserem Planeten widerspiegelt (War) oder all unsere Vorstellungen widergibt – vom Dämonischen, von der Sehnsucht, zur Hoffnung.

Wie weit Alfred Heindl beim Malen Musik, gar diesen Song hörte, wie genau er diesen Text während der Arbeit vor Augen hatte – ich wollte es nicht fragen. Es würde dem Song/Bilderzyklus-Titel nicht gerecht, dies wissen zu wollen. Auch weil ich Alfred als inspirierten und inspirierenden Menschen kennengelernt habe, der sich manchmal des Realen, genau Abbildhaften bedient, um dann ins Abstrakte auszubüchsen.

So kann ich mir beim Betrachten eine traumhafte, fast unvorstellbare und zugleich aufwühlende Wirklichkeit schaffen.

 

Alexander Hauer, 2017

 

Alfred Heindl vor Imagine-Zyklus: Death – War / Desperation – Sky / Peace – Hope – Life / Sun (Foto: Franz Gleiss)
Alfred Heindl vor Imagine-Zyklus: Death – War / Desperation – Sky / Peace – Hope – Life / Sun (Foto: Franz Gleiss)

 

Zwischen Realismus und Abstraktion.

Der zweite Teil der Ausstellung ist ebenfalls von Dualitäten und Kontrasten bestimmt. So trifft die Architektur (›Stift Melk‹) auf die Natur (›Field‹), das Tal (›Valley‹) auf den Berg (›Schöne Aussicht‹), der Mensch (›Woman/Sophie‹) auf das Tier (›Cat Mood‹), der Sonnenaufgang (›Sunrise‹) auf den Sonnenuntergang (›Dämmerung‹), die Sonne (›Life/Sun‹) auf den Mond (‹Blue Moon‹). Alfred ist ein Grenzgänger zwischen Realismus und Abstraktion. Wahrscheinlich ist ›Grenzgänger‹ aber auch ein ganz falsches Wort. Denn für seine Bildsprache hat er genau diese Verbindung gewählt; dachte ich manchmal, er kann von beidem nicht lassen, so ist es vielleicht genau das, was ihn, seine Bilder und sein Erzählen ausmacht: einerseits eine penible, fast fotografische Genauigkeit und zugleich das Eintauchen in Emotionen; und da kehrt sich gerade auch manches um: das Reale wird abstrahiert, das Abstrakte eben durch das Emotionalisieren ganz konkret. So verschwimmen die Grenzen zwischen real und abstrakt – in manchen Bildern per se, in den Kombinationen durch eben dieses Zusammenfügen, Aufeinanderprallen. Was allen Werken der Ausstellung gleichermaßen gemein ist, ist eine gewisse Ruhe und Stille, ja fast eine meditative Empfindung. Das künstlerische Schaffen von Alfred Heindl steht in einem engen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Grafikdesigner – und kann/will ich, der ich auch mit ihm nun lange zusammenarbeiten darf – gar nicht ohne diese sehen. Farbwahl, Farbkontraste, Spannungsfelder, Formatwahl – all das prägt seinen beruflichen Alltag – hier aber auch sein künstlerisches Werk, seinen Malstil. Standen am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn noch viel stärker die Kontraste, so werden die Flächen jetzt diffuser, vielschichtiger, soghafter. Vielleicht drängt es Alfred vom Alltag in die Kunst, um genormte Formate zu verlassen, neue Dimensionen händisch zu bewerken – und Stimmungen Räume zu geben, in die er uns einlädt.  

 

Alexander Hauer, 2017

 

Sophie Heindl vor ihrem Portrait ›Woman / Sophie‹, 2016
Sophie Heindl vor ihrem Portrait ›Woman / Sophie‹, 2016 (Foto: Franz Gleiss)

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Rede von Alexander Hauer (Künstlerischer Leiter Wachau Kultur Melk GmbH) zur Eröffnung der Ausstellung ›Moods‹
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